Sudhaus in der alten Scheune

Brau-Manufactur in Dorfidylle

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In der Nähe des Dümmer liegt das Örtchen Wagenfeld. Eigentlich nicht spektakulär, aber was dort gebraut wird, das hat es in sich.

Das Steakhaus Töbelman, das sich auch Hofschänke nennt, ist in der Gegend eine Institution. Ein Familienbetrieb mit Landwirtschaft und allem drum und dran. Und nun auch mit einer eigenen Brauerei von Sohn Christoph. Mit Freunden aus der Gegend hatte ich das Glück, dort eine kleine Brauerei-Führung vom Chef und Braumeister persönlich zu bekommen. Na ja, bei einer Ein-Mann-Brauerei ist das nicht überraschend.

Älteste Brauerei in Wagenfeld - seit 2015
Älteste Brauerei in Wagenfeld – seit 2015

Tradition wird hier geschätzt. Auch, wenn die Tradition jetzt noch sehr jung ist. Christoph ist Braumeister, er hat das Handwerk von der Pike auf gelernt. Und er kennt sich aus in der Gastronomie. Denn halbtags arbeitet er immer noch im Steakhaus der Familie. Den anderen halben Tag widmet er sich seiner Bier-Leidenschaft. Dafür hat er das Vieh aus dem Stall quartiert und den Imbiss samt Brauerei und Fleisch-Reifekammer dort untergebracht. Als wir kamen, standen die Kühe gleich nebenan auf der Weide, und haben sich den Treber schmecken lassen.

Das Projekt ist wirtschaftlich durchdacht. Christoph braut vor allem für die eigene Gastronomie. Steakhaus mit mehreren Räumen, Veranstaltungen, Imbiss, Biergarten – da kommt was zusammen. Aus den Erfahrungen der Vorjahre – oder Vorjahrzenhnte – war gut einzuschätzen, wie viel Bier dort alleine benötigt wird. Dazu gibt es Siphons, die man sich befüllen lassen kann. Und Flaschen? Mal sehen, vielleicht bald … Eine professionelle Abfüllung gibt es ebenfalls fast nebenan. Wenn das keine regionale Denke ist.

Gär- und Lagerkeller
Gär- und Lagerkeller
Gär- und Lagerkeller
Gär- und Lagerkeller
Dunkles vom Fass
Dunkles vom Fass

Als ich vorab die Website besucht hatte wusste ich nicht so ganz, wie ich die Brauerei einschätzen sollte. Aber die Welt der Töbelmanns befindet sich vor Ort, nicht im World Wide Web. Social Media-Präsenzen? Fehlanzeige. Was aber auch viel wichtiger ist: Schmeckt das Bier?

Ja, das tut es, und wie! Kein Schickimicki ist zu erwarten. Derzeit gibt es Helles, Dunkles und Weizen. Das wars. Saisonale Biere sind in Planung. Das Weizen habe ich nicht probiert, aber die anderen waren super lecker, und auch in größeren Mengen problemlos trinkbar (denke ich, getestet habe ich es nicht). Im Besten Sinne für den allgemeinen Geschmack und den Durst im Dorf. Handwerkliches Bier, das den Begriff Craftbeer nicht braucht. Entsprechend findet man es auch nicht auf den einschlägigen Events.

Als Vegetarierin war das Steakhaus kulinarisch nicht mein Paradies. Das Fleisch-Paradies einiger meiner Begleiter aber schon. Das Fleisch soll super sein, mein Salat war frisch und lecker. Lediglich das Aufbackbrötchen dazu war etwas enttäuschend, da ich gleich nebenan eine Bäckerei erspäht habe, die sicher tolles handwerklich gebackenes Brot anbietet. Treberbrot hätte mich auch gefreut, aber den Treber hatten ja schon die Kühe abgestaubt.

Zum Nachtisch gab es Malz-Parfait. Yummy!

Malz-Parfait
Malz-Parfait

Ich war auf jeden Fall begeistert vom Bier. Das liegt auch nach einigen Craftbeer-Tests in der Bundeshauptstadt weiterhin ganz weit vorne, denn IPA, Sour Stout, Salted Porter & Co sind mir oft zu anstrengend. Bestimmt komme ich mal wieder, denn das Weizen muss ich ja noch probieren. Gerne im schönen hellen Wintergarten, wenn die Herbstsonne sich noch einmal blicken lässt.

Brau-Manufactur Christoph Töbelmann
Brau-Manufactur Christoph Töbelmann

 

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