Leidenschaft für Museumsdörfer

Veröffentlicht in: Unterwegs | 0

Seit ich ein Kind bin liebe ich Museumsdörfer. Der Geruch, die Kälte – und die Freude, es daheim schön mollig zu haben. Wie hat man damals gelebt? Was aßen die Menschen? Und war das scheinbar harte und einfache Leben wirklich immer schlechter als das heutige Leben mit allzu vielen Möglichkeiten?

Das Museumsdorf in Cloppenburg ist sozusagen mein „Heimatmuseum“. Da war ich schon als Kind, und habe den Besuch richtig genossen. Insgesamt habe ich mich schon früh für Museen und „alte Steine“ interessiert. Ein Glück, dass mein Mann diese Leidenschaft teilt. Und da seine Großmutter noch in einem alten Bauernhaus ohne fließendem Wasser, mit Außenklo und Lehmboden in der Diele gelebt hat, kennt er die Gerüche und Widrigkeiten noch besonders gut. Es ist immer spannend, was er berichten kann.

An die ganzen Museumsbesuche der letzten Jahre habe ich gedacht, als ich die Serie „Schwarzes Gold“ aus der Lüneburger Heide sah und mich fragte, warum ich noch nie vom Freilichtmuseum in Hösseringen gehört habe. Außerdem hatte ich nach Jahren mal wieder Lust, einen Artikel zu schreiben, in dem es nicht – oder kaum – um Bier geht. Bei meiner Recherche wunderte ich mich fast selbst, wie viele Besuche es in den letzten Jahren waren.

Freilichtmuseum Detmold – absolut großartig

Über das Museumsdorf in Detmold habe ich damals sogar einen Blogartikel geschrieben: Ausflug ins Freilichtmuseum Detmold. Es ist flächenmäßig wohl das größte der hier vorgestellten Museumsdörfer: 120 Häuser auf 90 Hektar. Mega. Du kannst dir ja den Bericht von damals durchlesen.

 

Besonders spannend fand ich dort, dass man in einem Haus explizit das Bett und den Stuhl ausprobieren durfte. Sonst berühre ich ja noch nicht einmal irgend etwas. Weiterhin waren echte Pferde im Stall, wie du im Beitragsbild siehst. Und es gab Informationen zum Essen damals, was mir manchmal fehlt. Das sind doch Dinge des Alltags, die für Laien besonders interessant sind, oder?

Am Ende des Geländes stand damals eine ganz skurril anmutend eine Tankstelle der 1950er Jahre. Nach meiner Recherche scheint es aber so, als wäre noch kein neuer Ausstellungsbereich zur Nachkriegszeit entstanden. Vielleicht schaue ich mal vorbei und überprüfe das höchstpersönlich.

Museumsdorf Cloppenburg – ein Stück Heimat

Im Jahr 2019, zu Beginn der Corona-Zeit, besuchten wir endlich mal wieder das Niedersächsische Freilichtmuseum in Cloppenburg. Es wird als eines der größten Museumsdörfer Mitteleuropas beschrieben. Das Gelände ist aber „nur“ 25 Hektar groß, es gibt mehr als 50 historische Gebäude zu sehen. Wie immer war es klasse, und der Kuchen – yummy! Ein paar Ideen für die Dauerausstellung hatte ich vor Ort allerdings, in Erinnerung an Detmold. Anlass des Besuchs war ganz konkret die Brauerei Bannas aus Wildeshausen, die dort einen Ausschank hatte. Inzwischen waren wir zu Heimbrauern geworden.

 

Im Museum ist ein Ausstellungsbereich für die Nachkriegszeit in Planung, die Diskothek „Sonnenstein“ aus Harpstedt wurde inzwischen bereits abgebaut, nach Cloppenburg gebracht und dort wieder aufgebaut. Ich glaube sogar, ich war einmal da, im Sonnenstein in Harpstedt. Meine mögliche Begleitung kann ich aber leider nicht mehr fragen. Es ist schon komisch, wenn ein Teil des eigenen Lebens musemsreif geworden ist. Auf jeden Fall ist Olaf ein Zeitzeuge, er kommt aus der Gegend. Wir müssen dort unbedingt hin und uns das ansehen. Vielleicht kommt mir das dann ja bekannt vor – oder eben nicht. Außerdem gibt es derzeit eine Sonderausstellung zum BRAVO-Starschnitt. Ob Michael J. Fox auch dabei ist? Ich fand den damals so toll.

Freilichtmuseum Hagen – historisches Handwerk

Im Jahr 2021 haben wir den ersten Urlaub mit unserem selbst ausgebauten lütten Campervan verbracht. Seitdem reisen wir anders. Wir sind aktiver und spontaner in den Urlaubsregionen unterwegs, und haben auch Räder dabei. Damals haben wir das Freilichtmuseum in Hagen angesteuert, das sich vorrangig auf das Themenfeld Handwerk und Technik spezialisiert hat. Zufällig waren an dem Tag ganz viele Handwerker vor Ort, mit denen wir schnacken konnten. Auch konnten wir zuschauen, wie der Sensenschmied Sensen schmiedete. Damals waren die Corona-Bestimmungen streng, vielleicht fuhr die Wegebahn daher nicht. Aufgrund der Steigungen und der Größe von 42 Hektar mit rund 60 Werkstätten ist die aber ein tolles Angebot.

 

Besonders klasse war damals, dass es so viel Austausch gab mit den Menschen vor Ort. Und auch die Spezialisierung auf das Handwerk ist super. Ich würde es, wenn ich vor Ort bin, auf jeden Fall noch einmal besuchen, und dann gleich mit einer Wanderung in der Region verbinden.

Freilichtmuseum am Kiekeberg – Museum am Campingplatz

Dieses Museumsdorf liegt vor den Toren Hamburgs, in der Region Rosengarten. Fußläufig entfernt befinden sich der Wildpark Schwarze Berge und ein Campingplatz. Als wir 2021 das erste Mal dort waren, gab es einige Aktionen vor Ort. Da wurde von Personen in Verkleidung gekocht und vieles mehr. Das Museumsdorf am Kiekeberg mutet eher gemütlich an, was aber durchaus positiv ist. Mehr als 40 Häuser und Gärten befinden sich auf einer Fläche von rund 12 Hektar. Damals war die Nachkriegssiedlung „Königsberger Straße“ gerade so fertig, wenn ich es richtig erinnere. Mit einer Tankstelle wie in Detmold. Wir haben uns dort aber nicht mehr intensiv umgesehen, da wir schon platt waren und dachten, das wäre ein Anlass für einen nächsten Besuch.

 

Ein Highlight war, dass wir so dicht an die Bunten Bentheimer kamen, die scheinbar in keinem Museumsdorf fehlen. Hier kann man aber sogar in deren Stall schauen. Tiere finde ich insgesamt immer super. Besonders, wenn sie – ähnlich wie früher – direkt in den Häusern leben. Das ist aber natürlich auch teuer, keine Frage. Spoiler: Beim nächsten Besuch pupsten die Ferkel in der Suhle. Daran erinnert sich Olaf noch immer mit einem breiten Grinsen. Manchmal sind es die kleinen Dinge …

Salzburger Freilichtmuseum – Bergidylle pur

Eine Einladung zur Hochzeit war der schöne Grund, dass wir 2023 im Salzburger Land unseren Urlaub verbrachten. Mit dem Fahrrad ging es vom Campingplatz in Salzburg zum dortigen Freilichtmuseum. Glücklicherweise haben die Räder einen E-Antrieb. Das Museumsdorf bei Salzburg war total super. Ich liebe es, wenn so viel Deko dort ist, wie Wäsche auf der Leine, Äpfel in den Körben und vieles mehr. Vor Ort gab es auch eine Bahn, was bei sieben Kilometer Wegenetz und 100 Bauwerken für viele Gäste wichtig sein dürfte. Was Olaf am meisten freute: Dort gab es eine historische Brauerei. Er hat alles penibel dokumentiert. Natürlich war das Ambietente auch durch die schöne Landschaft ein ganz anders als hier im Norden.

 

Das, was bei den Bildern wie eine Gefängniszelle aussieht, ist eine Einliegerkammer. Dienstboten, die keiner Arbeit mehr nachgehen konnten, haben manchmal wohl in solchen Kammern ihre letzten Jahre verbracht. Dieser Ort hat mich im Museum am meisten berührt. Dort spürte ich Kälte, Hunger und Einsamkeit.

Wikinger-Museum Haithabu – Geschichte an der Schlei

Im gleichen Jahr besuchten wir das Baltic Open Air an der Schlei, und in dem Zusammenhang auch Haithabu. Zum Wikinger-Museum Haithabu gehört unter anderem ein kleines Freilichtmuseum. Hier wird man in eine ganz andere Zeit entführt. Auf dem Außengelände sind lediglich sieben Häuser und eine Landungsbrücke nachgebaut. Aufgrund des Museums sowie des schönen Weges zwischen Museum und Außengelände kann man dort aber ordentlich Zeit verbringen. Häufig wird das Gelände im Sommer von der internationalen Reenactment-/Living-History-Szene bespielt.

 

Der bedeutende wikingerzeitliche Seehandelsplatz Haithabu und das Grenzbauwerk Danewerk gehören zum UNESCO-Weltkurlturerbe. Sie liegen an einer Engstelle zwischen dem Ostseearm Schlei und den Niederungen der Nordsee bei Schleswig. Zwischen dem 8. und dem 11. Jahrhundert lagen die Stätten im Zentrum der Handelsnetze zwischen Nord- und Westeuropa. Wer dort ist, sollte unbedingt an der Schlei weiter radeln, es ist wirklich schön dort.

Museumsdorf Düppel – Mittelalter in Berlin

Als wir Ende Oktober 2023 das Museumsdorf Düppel besucht haben, war die Saison praktisch schon zuende. Daher war in Bezug auf das Konzept der „Living History“ nicht ganz so viel los wie vielleicht im Sommer. Dennoch war der Besuch super.

 

Das Museumsdorf ist einer mittelalterlichen Siedlung aus den Jahren 1170 bis 1220 nachempfunden. Es zeigt Bauten auf acht Hektar Fläche, die damals so dort gestanden haben könnten. Sie geben mit Dorfplatz und Gärten Einblick in den mittelalterlichen Alltag auf dem Land. Wenn dich ein Stück lebendiges Mittelalter interessiert, bist du dort richtig. Am besten fährst du mit der S-Bahn hin, was für ein Museumsdorf eine echte Ausnahme ist. Auch bei einem Berlinbesuch mit Kindern ist das eine wunderbare Abwechslung.

Übrigens finde ich die Darstellung des Schafes spitze. Ideal, wenn keine echten Tiere in einem Stall stehen können. Das macht gleich mehr her.

Museumsdorf Volksdorf – Landwirtschaft wie früher

In Hamburg Volksdorf, ebenfalls mit dem ÖPNV erreichbar, befindet sich ein kleines Museumsdorf, das wir ebenfalls im Jahr 2023 besucht haben. Es war das einzige Dorf, in dem wir an einer Führung teilgenommen haben, wodurch wir auch in die große Scheine gekommen sind. Das macht wirklich Sinn. Ohne Führung kommt man hier übrigens in keines der elf Gebäude, in denen das Leben und Arbeiten in den Hamburgischen Walddörfern zwischen dem Ende des 19. Jahrhunderts und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gezeigt wird. Und so habe ich die echten Ochsen Claudius und Caesar kennengelernt. Deren Köpfe sind riesig!

 

Mehr habe ich nicht fotografiert, manchmal bin ich auch nur im hier und jetzt unterwegs. An einigen Gebäuden kann man per QR-Code Filme oder andere Informationen abrufen. Das ist wohl die günstigste Form der digitalen Angebote, aber es funktioniert wunderbar. Besonders an diesem Museumsdorf ist aber, dass es noch bewirtschaftet wird. Neben der Bäuerin leben dort viele Tiere wie Pferde, Rinder, Schafe, Ziegen, Hunde, Hühner, Enten, Gänse und Katzen. Der kleine Laden hat nur am Wochenende geöffnet.

Das Gelände kann übrigens kostenlos besucht werden, so dass es viele Spaziergänger gibt.

Freilichtmuseum „Den Gamle By“ – historische Zeitreise in Aarhus

Und – Trommelwirbel – hier kommt mein Liebling: Den Gamly By. Und nach der Begeisterung kommt die Wut: Mein Handy mit den ganzen Bildern aus dem Dänemark-Urlaub wurde geklaut, bevor ich die Bilder heruntergeladen hatte. Hier sind also nur Bilder von Olaf zu sehen, mehr gibt es praktisch nicht. Und ich hatte so ein schönes Foto von dem schnarchenden „Mann“ im Wohnzimmer gemacht, bei dem ich mich echt erschrocken habe. Und in der Frauenarzt-Praxis. Denn das ganz Besondere ist der Bereich mit Wohnungen aus der jüngeren Zeit, die dort mithilfe der ehemaligen Bewohnenden ausgestattet wurde. Die Mehrfamilienhäuser dort wurde nicht dort wieder aufgebaut, die gab es wirklich dort.

 

 

Ein weiteres Highlight waren die Kinder, die dort verkleidet der Arbeit wie früher nachgingen, und sich auch entsprechend verhielten. Da nahmen die Jungen zum Gruß die Mütze ab, und berichtigten Olaf, der das ebenso tat. Die Mädchen wuschen im Hinterhof Wäsche – das war echt etwas Besonderes. Das ganze Museumsdorf befindet sich in der Stadt und ist eher untypisch aufgebaut. Wir haben am Ende nicht alles gesehen. Aber natürlich haben wir die Brauerei intensiv besichtigt, die es auch dort gibt.

Freilichtmuseum Molfsee – Kuchentraum bei Kiel

Auf dem Rückweg von Dänemark Richtung Heimat stoppten wir im Freilichtmuseum Molfsee. Aufgrund des geklauten Telefons habe ich leider kein Foto für dich. Es war aber auch eher regnerisch, und einige Häuser waren wegen der Sanierung eingepackt. Das hat aber nicht gestört, sondern ist wirklich spannend. Und für die Museen außerordentlich teuer. Das Gelände ist 40 Hektar groß und zeigt 60 Gebäude.

Das absolute Highlight waren die weltbesten Kuchen: Ich hatte einen grandiosen Möhrenkuchen, und Olaf etwas mit Maracuja. Göttlich! Ich möchte dort unbedingt noch einmal bei schönem Wetter hin. Dann mache ich Kuchen-Fotos, und entdecke die damals nicht zugänglichen Gebäude. Eine Kühltasche muss dann mit, für das Extra-Stück Torte am nächsten Tag.

Freilichtmuseum am Kiekeberg – ein Familienausflug

Im Jahr 2024 habe ich dann einen Familienausflug ins Freilichtmuseum am Kiekeberg geplant, mit ein paar Herausforderungen im Bereich der Barrierefreiheit. Das war eine interessante Erfahrung. Anlass war, dass ich von dem Nachbau eines sogenannten Nissen-Hauses berichtet hatte, das zur Nachkriegsausstellung im Bereich „Königsberger Straße“ gehört. Meine Mutter hat wenige Jahre in der Nachbarschaft eines solchen Hauses gelebt. Bei einer Familienführung sind wir so richtig in die alten Zeiten abgetaucht. Es wurde auch für unsere Gästeführerin interessant, die Infos aus erster Hand bekam. Zwischenzeitlich wurde sogar richtig emotional. Das war eine wahnsinnig tolle Erfahrung.

 

Mein Dank für die Fotos geht an Stephan und Frank, denn ich habe mich vor Ort ganz „meiner Gruppe“ gewidmet.

Danach ging es weiter durch das Quelle-Haus, und ein Haus mit Räumen in denen es roch wie bei Tante Martha. Und dann die Drogerie … Viele Emotionen und Erinnerungen werden durch Düfte hervorgerufen. Und an der Tankstelle von damals stand inzwischen ein beigefarbener Käfer. Ganz genauso einer, wie meine Mutter ihn früher hatte. Da leuchteten bei uns allen die Augen.

Um präzise zu sein kam es hier zu den Sichtungen – na ja, man konnte es auch riechen – von pupsenden Ferkeln. Und auch die Sau fühlte sich rundum wohl. Meiner Ansicht nach war es die gleiche wie vor ein paar Jahren. Das war also fast so wie Heimkommen.

Welches Museum wird das nächste?

Nach einem Jahr Pause geht es in diesem Jahr weiter mit den musealen Expeditionen in die Vergangenheit. Vielleicht erstelle ich auch irgendwann eine Sammlung der schönsten Sprüche auf Küchentüchern, Stickbildern und Wandtellern, die ich in Heimathäusern finde. Ich liebe sie einfach.

Ein besonders Ziel wäre ein Kurs „Bier brauen wie vor 300 Jahren“ im Markus Wasmeier Freilichtmuseum Schliersee. Aber der ist meist ausgebucht, und nicht gerade gleich um die Ecke. Auch der Campus Galli beim Bodensee ist ein Traumziel, und das Norsk Folkemuseum in Oslo.

Hast du Tipps für für besonders schöne Freilichtmuseen – ganz gleich ob klein in der Region oder größer irgendwo in Europa? Dann her damit!

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert