Bräu mit süßer Grünkraft

Bräu mit süßer Grünkraft

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Unsere Garten-Kräuter lassen sich prima im Bier verarbeiten, dachten wir. Und experimentierten mit zwei Pflanzen: Süßdolde und Mädesüß.

Natur im Bürgerpark Bremen
Natur im Bürgerpark Bremen

Schon im Mittelalter wurde Bier mit Pflanzen gewürzt. Bei der Zugabe von Tollkirsche hat man allerdings etwas übertrieben, so kam es auch zum deutschen Reinheitsgebot. Wenn wir mit Pflanzen im Bier experimentieren, dann übertreiben wir nicht. Obwohl die Zugabe von Mädesüß schon sehr besonders ist, aber dazu später mehr.

Beide Pflanzen wachsen in meinem Garten. Da mein Knolliges Mädesüß – es sieht an den Blättern anders aus als auf diesen Bildern – nicht reichte, haben wir es wild geerntet.

Die Süßdolde ist leicht zu verwechseln mit giftigen Doldenblütlern. Ich habe die Pflanzen aus sicherer Quelle, zwei davon, und die wuchern wie wild im Küchengarten. Süßdolde ist vor allem eine Würzpflanze, man kann alle Teile davon verwenden. Am intensivsten schmecken aber die Samenstände, so lange sie noch grün sind, und zwar nach Anis. Man kann sie dann direkt vom Strauch in den Mund stecken, lecker. Als Heilkraut ist sie mir nicht geläufig, soll aber wohl blutreinigend sowie gegen Husten und Magenschwäche wirken.

Das Mädesüß hat es dagegen in sich. Schon Hildegard von Bingen kannte es, nämlich als natürliches Kopfschmerzmittel, aufgrund der enthaltenen Salicylsäure. Natürliches Aspirin also. Was bedeutet, dass das Bier nicht von Personen mit einer Allergie gegen Aspirin genossen werden darf. Es hat noch weitere Heilwirkungen, beispielsweise hilft es bei Grippe und Erkältungen. Mit Mädesüß kann man in der Küche übrigens auch Zucker verfeinern, der bekommt dann ein leichtes Vanille-Aroma. Oder man kocht Sirup daraus.

Wer nun denkt, bei so viel Kräuterhexerei kann das Bier nicht mehr schmecken, der irrt gewaltig. Und wer anhand des Titels denkt dass das Bier zu süß wurde, der irrt ebenfalls.

Süßdolde
Süßdolde

Maggie+Andy – ein Stout für Olafs Großeltern

Der Einfall kam zufällig, hat keine Bedeutung. Auf der Suche nach einem Namen kamen Olaf irgendwie seine Großeltern in den Sinn. Nun sind sie Namensgeber für ein leckeres Stout, Margarethe und Andreas. Original hätten die Namen das Etikett gesprengt, also die englische Form, die auch besser zum Stout passt.

Nur einen Teil vom Sud haben wir am Ende mit Süßdolde gestopft, so dass wir zwei Versionen haben. So wollten wir einmal verhindern, dass die Süßdolde uns alles versaut, und wir wollten den Unterschied schmecken. Der ist deutlich.

Das Bier schmeckt uns in beiden Varianten super, es muss aber noch reifen, noch runder werden. Ende August dürfte es richtig gut sein.

Möckernbräu Maggie+Andy
Möckernbräu Maggie+Andy

Daten und Fakten

Brautag 20.06.2017

  • Malz: Wiener Malz, Münchener Malz, Cara Crystal, Black Malt
  • Hopfen (Pellets): Challenger, Malling
  • Hefe: Danstar Nottingham Ale (obergärige Trockenhefe)
  • Sonstiges: Haferflocken
    Knapp 8 Liter des Suds haben wir in einen separaten Gärtank gegeben. Eine Handvoll (siehe Bild) Samenkapseln der Süßdolde kochten wir ab, schnitten sie klein (das Beste befindet sich innen) und packten sie in einem Säckchen in den Sud.
  • Ergebnis: Ohne Süßdolde ist das Stout ein kerniges, dabei aber recht leichtes schlotziges Bier. Mit Süßdolde auch, hinzu kommt aber eine deutliche Anis-Note.
  • Stammwürze: 12,7 %
  • Alkoholgehalt: 4,7 %

 

Mädesüß
Mädesüß

Süße Mädels – das Anti-Kater-Bier?

Dieses Bier braute ich mit einer Kräuterhexen-Freundin. Olaf durfte dabei sein, denn er musste der sehr wissbegierigen Kräuterkundigen alles genau erklären. Das kann ich gar nicht.

Das Experiment ist noch nicht abgeschlossen, denn ob das Ziel ereicht ist, das wird sich noch zeigen. Das Bier muss noch weiter reifen. Ob es nämlich die Kater-Kopfschmerzen am nächsten Tag verhindert, das weiß man ja erst, wenn man so viel davon trinkt dass man sicher bei anderem Bier einen Kater hätte. Oje. Die Party wird spannend.

Das Mädesüß schmeckt man dann heraus, wenn man weiß wie es überhaupt schmeckt. Würde man nichts sagen, niemand würde es merken. Es gibt eine leichte süßliche Note, weshalb ich beim Karamellmalz zurückhaltend war. Ebenso habe ich beim Hopfen auf zu starke Aromen verzichtet. Ich wünschte mir das Bier leicht und hell.

Eine Herausforderung war die Frage, wann wir genau wie viel Mädesüß hinzugeben. Mitkochen oder später stopfen? Dann müsste es ja auch abgekocht werden, wegen der Keime und Wildhefen. Wir haben es nun etwa 15 Minuten vor Ende der Kochzeit dazu gegeben, und zwar 145 Gramm. In die Abfüllung gingen am Ende 21 Liter.

Den Hopfen hatten wir noch, aber beim Malz habe ich erstmals nur Bio-Ware verwendet. Um das Bier sämiger zu bekommen geben wir bekanntermaßen gerne Flocken bei. Die kernigen Bio-Haferflocken waren aus, also habe ich kurzerhand eine Packung Bio-Basis-Müsli hineingekippt. Einzeln haben wir Hafer- oder Dinkelflocken, Mais oder ähnliches ja schon ins Bier gegeben, warum also nicht alles gemischt?

Möckernbräu Süße Mädels
Möckernbräu Süße Mädels

Daten und Fakten

Brautag 02.07.2017

  • Malz: Bioland Dinkelmalz, Bio-Pilsener Malz, Bio-Weizenmalz, Cara Blonde Nature
  • Hopfen (Pellets): Mosaic, Malling
  • Hefe: Danstar Nottingham Ale (obergärige Trockenhefe)
  • Sonstiges: Bio-Basismüsli (Vollkorn-Hafer-/Weizen-/Roggen-/Gerstenflocken, Cornflakes aus Mais, Reis-Erzeugnis aus Reis, Weizenmehl und Maismalz), Mädesüß-Blüten
  • Ergebnis: Ein spezielles fruchtiges Aroma. Wir denken, dass Malling und Mädesüß hier ein gutes Team gebildet haben.
  • Stammwürze: 11,8 %
  • Alkoholgehalt: 4,5 %

 

Historisches Mädesüß-Bier

Mo, die Kräuterkundige, hat mir zufällig gestern einen spannenden Fund zukommen lassen: Ein Rezept für früher beliebtes Mädesüß-Bier. Da kommt Mädesüß rein, Himbeerblätter, Odermenning, Malvenblüten, Zitronen, Zucker, Wasser und Weinstein. Später dann – Bier-Hefe. Ich erinnere mich an unseren Brennnessel-Bier-Versuch, der gründlich in die Hose ging. Werde das aber im nächsten Jahr mal ausprobieren. Zur neuen Mädesüß-Blüte.

 

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