Hopfenzupfen im Gemüsegarten

Hopfenzupfen im Gemüsegarten

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In diesem Jahr gab es gleich zwei Hopfenernte-Termine: Bei mir zu Hause, und in der Gemüsewerft. Denn die baut Hopfen für Hopfenfänger an, und gegen Freibier und Kürbissuppe konnte man helfen. Und einiges lernen.

Hopfen an der Hauswand

Über unseren Tettnanger-Hopfen freuen wir uns jedes Jahr: Zeitig im Frühling kommt er aus seinem Winterschlaf, und wenn er erst einmal Fahrt aufgenommen hat kann man ihm beim Wachsen fast zuschauen. Es geht dann aus dem Küchengarten vorbei an Balkon Nummer eins, der zur Ferienwohnung gehört, bis über Balkon Nummer 2, bei unserer Küche. Wir haben ihn in einen Kübel gepflanzt, damit die Wurzeln sich im Mini-Küchengarten nicht zu breit machen. Im ersten Jahr trug er ein wenig, im zweiten Jahr kam ein Pilz, im dritten die Ameisen. Aber in diesem Jahr, da sollte es etwas werden mit der Ernte. Die Freude war groß.

Hopfensorte Tettnanger im Garten
Hopfensorte Tettnanger im Garten
Hopfenernte auf dem Balkon
Hopfenernte auf dem Balkon

Etwa 8 Meter hoch wurde sie, unsere Pflanze. Und ergab eine Erntemenge von knapp 500 Gramm. Diese haben wir, ohne sie vorher zu dörren, direkt vakuumiert und eingefroren. Einen anderen Hopfen hatten wir mal gedarrt und dann eingefroren, dann aber gehört das sei nicht nötig. Ein Glück, denn so ist das viel weniger Aufwand und Energieverbrauch.

Ganz grob kann man sagen, dass 20-30 Gramm Aromahopfen für 18-20 Liter Maische reichen. Der Faktor gegenüber Pellets liegt bei 5-7, wir nehmen etwa 6 an (hätten wir vorher gedarrt, dann wäre das Verhältnis natürlich wieder anders). Heißt, vom Frischhopfen brauchen wir 6 Mal mehr Gramm als von Pellets. Demnach würde unser Tettnanger für etwa 4 Sude reichen. So die Theorie. Die Praxis sieht nun etwas anders aus, denn wir haben einen Fehler gemacht: Wir haben zu früh geerntet.

Tettnanger Hopfendolden
Tettnanger Hopfendolden

Nach den Jahren der Missernte waren wir sooo foh, dass die Dolden schön grün und gesund aussahen. Dann kamen ein paar warme Tage, bevor ein Kurzurlaub anstand. Zu warten, das trauten wir uns nicht, und wir wollten vermeiden dass der Hopfen bei möglichem nassen Wetter und zwei Wochen später gammelig wird. Nachfolgend seht ihr, was das Problem ist: Die kleinen gelben Punkte, die ihr seht, das sind die Lupulin-Drüsen. Und um Lupulin geht es hier eigentlich. Davon ist zu wenig gebildet. Den Unterschied seht ihr gleich.

Tettnanger aus dem Garten - zu wenig Lupulin
Tettnanger aus dem Garten – zu wenig Lupulin

Wir nahmen also an unserem heutigen Brautag gut die doppelte Menge des Tettnanger (erdig, kräuterig, blumig), in der Hoffnung, dass sich genug Aroma ergibt. Übrigens haben wir zwei neue Pflanzen: Der Saphir (blumig, fruchtig, Zitrus) hat es auf 25 Gramm gebracht, und der bei einem Kumpel untergebrachte Hersbrucker Pure (klassisches Hopfenaroma, Vanille) auf 65 Gramm. Die verwenden wir in einem anderen Sud.

Seit 2014 baut die Gemüsewerft in Bremen Bio-Hopfen an. Der Hopfenanbau ist Teil des Urbanfarming-Projekt der Gesellschaft für integrative Beschäftigung. Angefangen hat es damit, dass Markus Freybler von der Bremer Braumanufaktur mit der Marke Hopfenfänger angefragt hat, ob man dort nicht Bremer Hopfen anbauen könne.

Entstanden ist das wohl größte deutsche Hopfenanbaugebiet nördlich der Hallertau. An zwei Standorten werden die Sorten Hallertauer Tradition, Comet und Tettnanger sowie Cascade, Chinook und Centennial kultiviert.

Das Wetter war am Hopfenzupfer-Tag überraschend sonnig. Er fand etwa 2 Wochen nach der Ernte in der Hallertau – und bei uns privat – statt. Perfekt. Also, die Räder geschnappt und auf in die Überseestadt.

Auf dem Weg zur Gemüsewerft in der Überseestadt
Auf dem Weg zur Gemüsewerft in der Überseestadt

Hopfenalarm in der Gemüsewerft

Die Gemüsewerft hat sich vergrößert: Neben dem ursprünglichen Gelände in Gröpelingen gibt es nun auch ein Areal in der Überseestadt. Und hier sollte die Aktion stattfinden.

Nette Leute im freiwilligen Arbeitseinsatz
Nette Leute im freiwilligen Arbeitseinsatz

Wir trafen auf viele nette Leute, von denen scheinbar viele einen Braukurs bei Markus absolviert hatten. Die Kurse finden normalerweise in der Markthalle Acht statt, an dem Tag aber direkt auf dem Gelände. So kann man seine Arbeitsbienen auch rekrutieren. 😉 Wir haben nie einen Kurs gemacht, trafen dort aber einen Kumpel aus Hobbybrauer-Kreisen und erwarteten, auf viele Gleichgesinnte zu treffen. Dem war auch so. Insgesamt war das eine nette Runde, und machte einfach Spaß.

Auf dem folgenden Bild seht ihr am Centennial oder Chinook (ich habe vergessen welchen wir zuerst geerntet haben), wie es innen aussehen muss: Auch wenn der Hopfen außen schon braun und nicht mehr so schön aussieht, ist er gerade richtig, wenn er voller gelbem Lupulin ist. Und das gibt es nur in den weiblichen Hopfenpflanzen, die männlichen bilden keine Dolden. Bier ist eben Frauensache – zumindest ist es das früher gewesen. Bierbrauen war Hausarbeit. Und die antiseptische Kraft des Hopfens wurde bereits von Hildegard von Bingen mit den Worten „putredines prohibet in amaritudine sua“ (seine Bitterkeit verhindert die Fäulnis) beschrieben. Das war der Grund, warum Bier früher auch an Stelle von (dem damals schmutzigen) Wasser getrunken wurde.

Der Hopfen hilft übrigens wunderbar bei nervöser Unruhe, bei Magenbeschwerden oder auch bei Schlafproblemen. Kindern gibt man ein Säcken mit getrockneten Hopfendolden unter das Kissen. Oder man trinkt vor dem Schlafengehen eine Tasse Tee; einfach zwei Dolden mit kochendem Wasser übergießen und 10 Minuten ziehen lassen.

Hopfendolden voller Lupulin
Hopfendolden voller Lupulin

Nicht so schön wie mein Tettnanger, aber für die Ernte genau richtig: Die Dolden haben sich bereits wieder geschlossen.

Hopfen in der Gemüsewerft
Hopfen in der Gemüsewerft

Nach dem Zupfen wurden die Dolden in einem Container direkt gedarrt. Und immer fein darauf achten, dass keine Sorten gemischt werden. Vorsichtshalber wurde zwischen dem Sortenwechsel sogar überall gefegt.

Trocknungs-Container
Trocknungs-Container

Die Stimmung war locker. Manche zupften, manche unterhielten sich einfach. Es war auch nicht immer Arbeit für alle da. In der alten Straßenbahn gab es leckere Kürbissuppe. Die Zutaten kamen natürlich auch von der Gemüsewerft.

Fleißige Erntehelfer
Fleißige Erntehelfer

Ein wenig von dem leckeren Hopfenfänger-Kräusen durfte auch sein. Ob dort auch ein Teil der letzten Hopfenernte drin ist?

Pausen-Kräusen
Pausen-Kräusen
Geheime Hopfensorte - zu frühe Ernte
Geheime Hopfensorte – zu frühe Ernte

Dann kamen noch zwei oder drei Sorten vom Gelände in Gröpelingen. Eine sah klein und etwas traurig aus. Aber dann kam eine kleine Menge von riesigen grünen Dolden. Die hätten wahrscheinlich auch noch gebraucht, sie waren noch nicht braun, immer noch offen. Aber die Ernte musste eingefahren werden. Könnte Comet sein, eine Hochalphasorte. Ob daraus ein APA gebraut wird?

Gemüse und Kräuter aus Kisten

Mich interessierte natürlich auch der Anbau von Gemüse und Kräutern. In Gröpelingen gibt es zudem Obst und Pilze. Entsprechend tingelte ich über das Gelände.

Die Produkte der „Social Farmers“ können im Café Brand oder im Canova gekostet werden.

Es gab jetzt noch Erdbeeren. Zudem Borretsch, Tomaten, Kohl, Mangold, Basilikum, Salat und vieles mehr. Der Anbau muss auf dem Industrie- und Hafenareal natürlich in Kisten erfolgen, der Boden dürfte nicht für die Landwirtschaft geeignet sein.

Im Gegensatz zum Urbangardening-Projekt Lucie in der Neustadt sieht es hier weniger bunt und wild aus, halt professioneller und größer. Gerade vor ein paar Tagen wurde bekannt, dass der Platz bei der Lucie entsiegelt und direkt bewirtschaftet werden kann. Ich bin gespannt, wie sich das Projekt entwickelt.

Borretsch, Tomaten und ganz viel Hopfen
Borretsch, Tomaten und ganz viel Hopfen

Da läuft einem doch das Wasser im Munde zusammen. Ich habe aber nichts stiebitzt, versprochen!

Gemüse und Kräuter und Bienen
Gemüse und Kräuter und Bienen

Die Gemüseseite der Gemüsewerft in der Überseestadt.

Gemüse-Ecke - leckerer Mangold
Gemüse-Ecke – leckerer Mangold
Kräusen von Hopfenfänger in der Markthalle Acht
Kräusen von Hopfenfänger in der Markthalle Acht

Und so sieht ein Kräusen aus, wenn man sich eins am Hopfenfänger-Stand in der Markthalle Acht bestellt. Im niedlichen Probierglas. Ich bin sehr gespannt, in welchen Biersorten der von und gezupfte Hopfen nun verwendet wird.

Spaß hat es wirklich gemacht. Mal sehen, ob man sich im nächsten Jahr wieder trifft?

Auf jeden Fall muss ich mir im nächsten Frühjahr mal das Gelände in Göpelingen ansehen. Und mir Tipps holen, wie es bei mir endlich mit der Pilzucht klappen könnte. Denn damit habe ich ja gar kein Glück. Vielleicht geht es aber schneller als man denkt, und ich hole mir dort Apflemost ab. Für einen schönen leckeren Cider. Der zweite Versuch.

Und hier noch ein paar Eindrücke von der Gemüsewerft. Und der Link zu einem kleinen Filmchen.

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