Altes Ägypten-Abenteuer

Altes Ägypten-Abenteuer

Eingetragen bei: Unterwegs | 1

Es war eine Reise mit Hindernissen. Beim Blick auf ein Kamelbild habe ich mich gerade wieder daran erinnert. Im Jahr 2004 sprang ich kurzerhand ein, weil jemand anders in der Mini-Reisegruppe absagen musste. Ich also gänzlich unvorbereitet und voller Spannung. Ägypten – ein Traumland. Mit unendlich viel Geschichte. Und Sand.

Ingrid

Mit Hieroglyphen kenne ich mich natürlich nicht aus, der Computer sagt dies sei mein Name. Ich hoffe, er veräppelt mich nicht.

Die Reise ist wirklich lange her. Man sieht es auch an den Bildern. Schlechte analoge Kameras, aus den Bildern wurden schon in Ägypten Dateien gezaubert. Sieht etwas 70er aus, manchmal. Aber egal, man kann wohl auch so ahnen, dass dieses Land traumhaft schön ist. Außer Kairo. Die Stadt ist einfach zu riesig für mich, ein Moloch. Mit vielen spannenden und manchen schönen Ecken, na klar, aber ich war froh als es in die Wüste ging. Also los.

Kairo - Blick von der Zitadelle
Kairo – Blick von der Zitadelle

Schwarze und Weiße Wüste

Es gibt wenige Traumziele auf der Erde, die einem den Atem rauben. Das habe ich in Venezuela erlebt, in Tirol – und in der Weißen Wüste. So surreal, so schön. Wohlhabende Familien aus Kairo fahren um Weihnachten dorthin, weil es aussieht wie Schnee. Habe ich gehört. Ob da auch bunte Kugeln und Lametta in die Palme gehängt werden!?

Weiße Wüste - Weg nach Farafra
Weiße Wüste – Weg nach Farafra

Der Weg von Kairo nach Luxor führte uns durch diverse Oasen. Bahariyya, Farafra, Dakhla (für uns die schönste Oase auf der Strecke), Charga. Wer denkt, die Wüste sei überall gleich, der irrt. Auf einigen Strecken ist die Wüste natürlich auch öde, aber meistens wunderschön. Und still. Besonders klasse ist es, wenn man durch die Dünen der Sahara fährt. Das ist fast wie Achterbahn. Ohne Looping. Unserem Fahrer konnte man vertrauen, er kannte jede Stelle mit Treibsand. Wir wollten ja nicht dauerhaft in der Wüste bleiben.

Als wir in der Weißen Wüste unter freiem Himmel schliefen, da waren die Steinformationen schon sehr praktisch. Wenn mal mal wohin musste und alleine sein wollte. Hach, ich möchte sofort wieder dahin. Was wir aus den Steinen nicht alles erkannt haben: Hühner, Pilze, Fabelgestalten … Ein magischer Ort. Der Himmel war in dieser besonderen Nacht zwar bedeckt, so dass wir das wahnsinnige Sternenhimmel-über-der-Wüste-Erlebnis nicht hatten, aber wir konnten es ahnen. Sogar ein Wüstenfuchs begrüßte uns.

Toll waren auch viele Erlebnisse, die wir nicht im Bild festgehalten haben. Zum Beispiel das Essen im Kreise der Familie unseres Fahrers. Die Gastfreundschaft ist wirklich beeindruckend. Oder die Beduinen-Disco des Sheikh von Bahariyya. Und vieles mehr. Es war halt nicht die Zeit der Smartphones: Überall schnell alles knipsen, und löschen was nicht gefällt. In meinem Kopf, da sind die Bilder aber noch. Na ja, manche.

Übrigens: Die Schwarze Wüste trägt ihren Namen aufgrund des Basalt-Gesteins. Die Weiße Wüste hingegen wird duch den hellen Kalkstein geprägt. Und der Crystal Mountain? Da glitzert es tatsächlich! Und alles gehört zur Libyschen Wüste, auch wenn es nicht Libyen ist.

Übrigens: Mit dem Veranstalter, der auf dem Wagen zu sehen ist, sind wir nicht gereist. Wir haben mit einem Partner vor Ort alles individuell geplant. Das ist wahrer Luxus. Im Auto war es mit fünf Personen aber trotzdem eng. Luxus ist relativ.

Dieses Blumenmotiv ist ja eigentlich nichts Besonderes, aber wenn man solch eine Pracht in einer Oase sieht, dann ist das einfach herrlich.

Kharga - Endlich Farbe
Charga – Endlich Farbe

Reiten in einer Kamelherde

Neben der Weißen Wüste war der Kamelritt bei Dakhla ein absolutes Highlight. Es war schon immer mein ganz großer Wunsch, auf einem Rennkamel in einer Herde durch die Wüste zu galoppieren. Das habe ich mal geträumt, und es war gigantisch. Also hat der Bruder des Restaurantbesitzers eine Herde organisiert, aber ohne Rennen. Ganz gemächlich, 1,5 Stunden durch die Dünen. Toll war, dass man nicht geführt wurde, denn die Kamele wussten wo es hingeht. Auch wenn es im Beitragsbild so aussieht, als würde ich die Chefin sein. Hach, wenn so ein Baby-Kamel beim Laufen am eigenen Bein schubbert und sabbert, das hat was. Kamele gehören absolut zu meinen Lieblingstieren, mit ihren stolzen und ausdrucksstarken Gesichtern, mit dem Lächeln und der zugleich störrischen Art.

Dakhla - Kamele
Dakhla – Kamele

Alte Steine ohne Ende

Da ich die Wüste und die Kamele eigentlich viel spannender fand als die Pyramiden, komme ich erst jetzt mit den bekannten Bildern. Also, ich liebe alte Steine, die sind tatsächlich meine Leidenschaft. Mit modernen Orten kann ich selten etwas anfangen. Aber wo viele Steine, da viele Touristen. Die erspare ich euch einfach auf den Bildern. Alles eine Frage des Ausschnitts.

Sakkara - Stufen-Pyramide
Sakkara – Stufen-Pyramide

Irgendwie ist es ja ganz schön trubelig und löchrig rund um den Sphinx. Hinter den Pryamiden ist es eher steinig und öde. Man hat dort so viele kleine Pyramiden, dass manche Ruinen da einfach so rumliegen. Geschichte im Überfluss. Einmal sind wir zu einer unsäglich frühen Zeit mit einem Chauffeur zu den Pyramiden gefahren, noch vor dem Frühstück. Das war eine tolle Stimmung, fast niemand war da.

Ach ja, wenn ihr auf eines der eckigen Bilder klickt, dann seht ihr es auch ganz, dann hat der Sphinx plötzlich ein Gesicht.

Ganz toll war auch der Besuch des Qasr ed-Dachla. Aufgrund der Kamelritt-Strapazen schafften wir es allerdings erst mittags dorthin, bei 40°. Weshalb wir auch alleine waren (das war wiederum prima), denn niemand kommt auf die Idee sich freiwillig der Hitze auszuliefern. Die Temperaturen waren übrigens der Grund, warum fast jeden Morgen sehr früh der Wecker ging. Im Norden des Ortes – zwischen Dakhla und Farafra, nahe Mut – befindet sich der alte Dorfkern, der bis in die 1980er-Jahre bewohnt war und nun als Museumsdorf dient. Am mittleren Bild sieht man schön, wie der Wüstensand das Dorf unter sich begräbt. Einige Gebäude können auch betreten werden, auf Tafeln gibt es interessante Informationen auch in englischer Sprache.

Qasr ed-Dachla
Qasr ed-Dachla

Von Luxor aus gab es dann das volle Geschichts-Programm. Und eine Kutschfahrt mit dem rotmähnigen Pferd.

Tempel ohne Ende: Einer in Luxor, einer in Karnak. Beide waren früher verbunden. Und natürlich der Tempel von Hatschepsut. Der Frau, die Pharao war, und uns Bildungsbürger-Mädels begeistert. Nochmal Kolosse auf dem Weg mitnehmen, die inzwischen wie Roboter aussehen. Und in Gräber im Tal der Könige abtauchen. Ich weiß gar nicht, warum ich die nicht fotografiert habe, war eventuell verboten. Oder es lag daran, dass ich einfach so tief beeindruckt war, und es vergaß. Denn das ist wirklich ein Erlebnis.

Karnak - Tempel
Karnak – Tempel

Ballonfahrt bei Luxor

Besonders früh aufstehen mussten wir, als es von Luxor aus mit dem Boot Richtung Tal der Könige ging. Denn dort startete eine Ballonfahrt. Ein Luxus, mal wieder, zugegeben. Aber so etwas macht man einmal im Leben. Und es war herrlich.

Es gehört sich ja nicht, zu zeigen wie die ganzen Höfe von oben aussehen. Daher fehlen die Fotos hier, aber das war super spannend. Vor allem aber der weite Blick. Die grünen Felder am Nil, die kargen Felsen vor der weiten Wüste. Blauer Himmel. Und überall Tempel. Dörfer und Löcher, und Löcher unter den Dörfern. Denn hier gibt es noch immer viele Grabräuber, oft mit Tunnelsystemen unter den Häusern. Das ganze Gebiet gleicht einem Schweizer Käse.

Luxor - Ballonfahrt
Luxor – Ballonfahrt

Und wo waren die Hindernisse, die angekündigten? Es gab sie in großer Zahl, aber mal ehrlich, möchte man sich daran erinnern? Und sind alle für die Öffentlichkeit bestimmt? Nein. Eine Geschichte aber, die kann ich nicht vergessen. Das war der Weg nach Luxor. Von Charga nach Luxor geht es eigentlich recht fix, wenn dann nicht auf einmal die Straße für Ausländer gesperrt wird. Das hieß, hoch in die Islamisten-Hochburg Assiut zu fahren, denn von dort ging es weiter mit dem Polizeikonvoi nach Luxor. Unsinn, dann weiß jeder Terrorist zu welcher Zeit besonders viele potenzielle Opfer dort langfahren, aber man dachte wohl die Polizei könnte alle beschützen. Wir wurden als Amerikanerinnen ausgegeben, weil der Konvoi der Amis früher ging als der europäische, wenn ich mich recht erinnere. Die hatten wohl Druck ausgeübt. Als Deutsche reisen passte nicht in den Zeitplan. Das bekomme ich alles nicht mehr ganz zusammen, sicher ist aber die Ansage gewesen, dass wir 10 Stunden lang den Kleinbus nicht verlassen durften. Halb vertrocknet ging es also lauter Blasen-Furcht ins Auto. Nur soviel: Die Geschichte ging gut aus, auch wenn wir uns halb dehydriert bei der Ankunft in Luxor anhören mussten:

„Willkommen in Luxor – Ihr seht ja schlimm aus!“

Die Gegensätze waren in dieser Situation bezeichnend für den Urlaub, für das Land: Nach dieser Odyssee, mit Eindrücken von Abfall fressenden Eseln und anderen Tieren, verschwitzt und fertig im Mövenpick einzuchecken, um dann am Pool den Begrüßungsdrink zu nehmen – das ist speziell. Wir haben ja immer viel gelacht, aber das wurde ein besonders lustiger Abend.

SchädelMädel auf Kamel

Zum Abschluss noch ein Hinweis, der Ehrensache ist: Nicht alle Bilder sind von mir. Sie kommen von der kleinen Reisegruppe. Vielen Dank für die Erlaubnis, ihr Lieben. Es war toll mit euch!

Die Route

Mit dem Flugzeug: Deutschland – F Luxor – A Kairo
Mit dem Auto: A Kairo – B Bahariyya – C Farafra – D Dakhla – E Charga – F Luxor

Eine Antwort

  1. Ein Mitglied der Reisegruppe

    Was für ein schöner Bericht über ein traumhaftes Land mit wunderbaren und äußerst humorvollen Leuten!

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