Zeremonie in Abomey Benin

Abomey – Könige & Voodoo in Benin

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Urlaub im kleinen Land Benin an der Sklavenküste Westafrikas – wie kommt man darauf? Ein Land, das mit Sklaverei und Voodoo verbunden ist? Ganz einfach: Familienbesuche bei meiner Zwillingsschwester, 2011 und 2012, Ziel Abomey. Das Land und die Menschen bleiben mir rätselhaft in Erinnerung, aber ich möchte diese Eindrücke nicht missen. Pures, echtes, geheimnisvolles Afrika.
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Meine Eindrücke der beiden Reisen mische ich, auch mit Bildern meiner Begleiter*innen, die ich freundlicherweise nutzen darf. Und ich beginne mit dem Hauptziel meiner Reise, der Stadt Abomey. Zu der ihr übrigens mehr Infos auf der Website Abomey et Région findet. Oder auf der Seite der Tourismusorganisation von Benin.

Die Könige von Abomey
Die Könige von Abomey

Afrika, Benin, Abomey

Benin ist ein kleines Land in Westafrika, das sich an der sogenannten Sklavenküste befindet, zwischen Togo und Nigeria. Ganz unten im Bericht findet ihr eine Karte.

Bis 1975 hieß das Land Dahomey, wie das gleichnamige Königreich, das seit dem 17. Jahrhundert existierte, bis es Ende des 19. Jahrunderts zur französischen Kolonie wurde. Abomey liegt im Süden des Landes und war früher die Hauptstadt des Königreichs.

Als „Weißer“ ist man oft noch eine Attraktion, vor allem mit roten Haaren, heller Haut und Totenkopf-Shirt. Die Kinder rufen einem gerne „Jovo“ hinterher, so werden die Weißen hier genannt. Oder „Jovo, cadeau“, dann möchten sie ein Geschenk beziehungsweise Trinkgeld. Ich persönlich ignoriere so etwas.


Die alten Königspaläste in Abomey gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe. Von dort aus wurden früher jede Menge Sklaven an die Weißen verkauft, die dann in Ouidah verschifft wurden. Deren Seelen kehrten erst nach dem Tod wieder nach Afrika zurück. So wurde es Ihnen zumindest von den Voodoo-Priestern versprochen.

Wer dieses Land bereist, kommt an den eher nicht so fröhlichen Themen wie Sklaverei und Voodoo nicht vorbei (wobei Voodoo bzw. Vodun eine grundsätzlich friedliche Religion ist; unser düsteres Bild ist von Hollywood geprägt). Auch frühere Traditionen waren ganz schön blutrünstig, nichts für schwache Nerven. Es gab Menschenopfer, der Thron wurde auf vier abgehackten Köpfen platziert. Was für ein Glück, dass die Zeiten lange vorbei sind. Dennoch hatten wir jede Menge Spaß, und genossen super spannende Eindrücke.

Es gibt übrigens einen wunderbaren Flyer mit Hinweisen zum richtigen Umgang mit Vodun, Fotos und mehr: Download Discovering Vodun. Für meine Fotos gab es teilweise eine besondere Erlaubnis.

Eine wunderbare Dokumentation über Abomey und die Rolle der Könige auch in Bezug auf den Sklavenhandel findet ihr auf der Seite des SWR: Schätze der Welt – Königreich der Sklavenhändler.

Monument Allemand - Deutschland, Welterbe, Abomey
Monument Allemand – Deutschland, Welterbe, Abomey

UNESCO-Welterbestätten aus Lehm

Skurril wirkte das „Monument Allemand“ auf mich. Zwischen Ziegen und ein wenig – nichts. Das Denkmal würdigt drei deutsche und einen belgischen Soldaten, die zwischen 1891 und 1894 neben der örtlichen Armee gegen die französische Kolonialarmee kämpften.

Die wichtigste Sehenswürdigkeit in Abomey sind die Königspaläste, die seit 1985 zum Welterbe gehören und etwa im Jahr 2007 renoviert wurden. Die Führung war absolut spannend, doch die Einzelheiten und Geschichten bekomme ich nach den Jahren nicht mehr zusammen. Zu viele Könige (die findet ihr weiter unten), zu lange Zeiträume; nicht ganz so schlimm wie in Ägypten mit den ganzen Pharaonen, aber doch schwer, das alles in die richtige Reihenfolge zu bringen. Spannend und zugleich brutal sind die Reliefs, die sich auf die Könige selbst, aber auch auf Riten beziehen. Sie sind Teil der Fon-Kultur; Fongbe heißt auch die dortige Sprache. „O kú!“ heißt so viel wie „Hallo“. Ich habe einen Kauderwelsch-Sprachführer „Fongbe für Benin – Wort für Wort“ hier, wer nach Benin reisen möchte kann sich den gerne ausleihen. Ich brauche das Buch irgendwie nicht so häufig.


Und hier eine Liste der Könige – und einer Königin, die in der von Männern dominierten Geschichtsschreibung gerne mal „vergessen wird“ (Details findet ihr hier):

  1. GANGNIHESSOU, für mich ein Mysterium; Jahreszahlen fehlen.
  2. DAKODONOU (1620-1645), vor der Zeit des Königspalastes.
  3. HOUEGBADJA (1645-1685), Gründer des Königreichs Dahomey und der Stadt Agbomè.
  4. AKABA (1685-1708), Sohn von König HOUEGBADJA, Namensgeber des Königreichs Dahomey und Erfinder eines neuen Enthauptungs-Schwertes.
  5. Königin HANGBE (1708-1711), Tochter von König HOUEGBADJA und Zwillingsschwester von König AKABA, regierte drei Jahre. Als Frau war sie großem Druck ausgesetzt, dem sie nicht standhielt. Sie stellte die Truppen der Amazonen auf: Soldatinnen, welche für die Sicherheit des königlichen Hofes sorgten. Spionage betrieben und in Kriegen kämpften. Frauenpower! Auf dem Tuch oben im großen Bild, das eine Frau beauftragt hat, ist Hangbe aufgeführt. Auf dem Tuch in der Bilderleiste, das von Männern erstellt wurde, fehlt sie …
  6. AGADJA (1711-1741/1742), genannt „der große Eroberer“, begann, den Sklavenhandel an der Küste zu beherrschen. Er stellte den direkten Kontakt des Königshofes mit den Europäern her und bildete ein Elitekorps von Kriegern.
  7. TEGBESSOU (1741-1774); unter seiner Herrschaft wurde Ouidah zu einem wohlhabenden Hafen und zur zweiten Stadt des Königreichs.
  8. KPENGLA (1774-1789) verstärkte die Armee und den Sklavenhandel.
  9. AGONGLO (1789-1797); kleiner Reformator und Unterstützer der Künste, Stärkung des Voodoo und zeitgleich Öffnung des Königreichs für christliche und muslimische Missionare.
  10. ADANDOZAN (1797-1818), fehlt in der Auflistung der Königspaläste (keine Ahnung warum).
  11. GUEZO (1818-1858); großer Reformator. Er reorganisierte die Strukturen von Staat und Armee, Zeit der Abschaffung der Sklaverei. 200 Amazonen kämpften in der Armee (in einem Buch stand die Zahl 6.000, was stimmt weiß ich nicht), etwa 30% (das stand in beiden Quellen). Sie wurden im Alter zwischen 12 und 14 Jahren rekrutiert, waren also anfangs Kinder-Soldatinnen.
  12. GLELE (1858-1889) vergrößert „AGBODO“, den Stadtgraben, einschließlich DIDO, der Quelle der Stadt. Kulturelle und rituelle Praktiken wurden entwickelt, irgendwo habe ich aber auch gelesen dass er wohl ein Tyrann war.
  13. BEHANZIN (1890-1894); Widerstandskrieg gegen Frankreich. Nach dem Fall von Abomey im Jahr 1892 kämpfte er weitere 14 Monate im Busch der Region.
  14. AGOLI AGBO (1894-1900) fiel bei General DODDS in Ungnade und wurde verbannt. 1910 kehrte er nach Dahomey zurück.

Auch wenn es heute immer noch einen König gibt, das Königreich Dahomey wurde mit der Kolonialisierung 1894 Geschichte. Entsprechend endet hier die Liste der Könige – und einer Königin.

Abomey, Verkehrsachse mit Waschstraße

Abomey – Stadt der roten Erde

Die Stadt Abomey wirkt heute teilweise eher verschlafen. Das Bild oben zeigt eine typische Impression mit Auto-Waschanlage. Ich glaube aber, da war gerade Mittagszeit. Hach, diese rote Erde, wie ich die liebe.

Praktisch sind die gemalten Schilder für Friseure und mehr. Auch ohne Sprachkenntnisse weiß man sofort, was wo zu bekommen ist. Der Stand mit den Glasflaschen ist übrigens eine Tankstelle.


Reliefs schmücken auch einige Mauern von Privathäusern. Man zeigt was man mag, wie unten das leckere Bier. In Benin gibt es mehrere Brauereien. Besonders verbreitet, da besonders günstig, ist das Béninoise. Am liebsten in der roten Flasche, in der sich das Aroma länger hält als in der grünen. Castel und Beaufort schmecken mir besser, trinken kann man aber alle gut – meist aus 0,6 Liter-Flaschen. Das Trinken von Bier ist bei Frauen in der Öffentlichkeit zwar nicht üblich, aber wenn Jovo-Mädels in der Bar sitzen und Bier trinken wird nichts gesagt. Ganz einfach war es dagegen nicht, die Verkäuferinnen davon zu überzeugen Flaschen geschlossen als Souvenir mitzunehmen, denn die Flaschen sind viel wertvoller als der Inhalt.

Bierkrug an der Hauswand
Bierkrug an der Hauswand

Im Voodoo reicht Bier allerdings nicht. Da müssen oft hochprozentigere Tropfen geopfert werden. Rum ist bei den Göttern glaube ich hoch im Kurs.

Voodoo-Tempel in Abomey
Voodoo-Tempel Hebiosso in Abomey

Wiege des Voodoo

Ob Abomey die Wiege oder ein Zentrum des Voodoo ist? Auf jeden Fall hat sich der Glaube mit dem Sklavenhandel in andere Teile der Welt verbreitet. Ich kann euch ein Buch empfehlen, in dem auch viele schöne Bilder zu sehen sind: Voodoo: Leben mit Göttern und Heilern in Benin. Ich verdiene nichts daran, es ist ganz einfach ein persönlicher Tipp von mir. Einen guten Überblick gibt der Deutschlandfunk.

Wir durften uns in einem Voodoo-Tempel umsehen, und hörten viel von den Riten, von Legba (Beschützer eines Hauses, eines Viertels, einer Stadt) und mehr. Vieles hörten wir auch nicht, denn den Touristen wird nur ein Teil der Geschichte erzählt, wirklich eingeweiht wird man nicht. Das finde ich nicht schlimm, eher verständlich. Es ist die Welt eines tiefen Glaubens und einer Spiritualität, die mir absolut fremd ist. Sie irritiert oft, den Erzählungen zu folgen ist nicht leicht, besonders da mein Französisch ganz schön eingerostet ist. Ein Bild, wie es im Film „Angel Heart“ mit Mickey Rourke gezeichnet wird, habe ich auf jeden Fall nicht entdeckt.

Und die schönsten Fotos, die veröffentliche ich nicht. Denn die habe ich an einem geheimen und sehr privaten Ort gemacht, den ich tatsächlich als magisch empfand. Dunkel, sehr dunkel, und absolut faszinierend.

Seht ihr das Relief der Zwillinge (jumeaux) in der unteren Bildergalerie? In Benin habe ich gern gesagt, dass ich ein Zwilling bin. Im Gegensatz zu einer Gegend in Madagaskar wird es dort nicht als Fluch angesehen. Zwillinge sind Könige, haben sogar etwas Göttliches. Aber das wusste ich doch schon immer! Hier findet ihr noch ein paar kuriose Fakten über Zwillinge.


Aus rechtlichen Gründen bette ich dieses spannende Video nicht ein. Ihr solltet es euch aber unbedingt ansehen: Magische Orte in aller Welt – Benin / Westafrika – Wiege des Voodoo – arte Doku-Reihe H

Zangbeto – Voodoo-Nachtwächter

Zangbeto
Zangbeto

Zangbeto – so nennt man bei den Yoruba die traditionellen Voodoo-Wächter der Nacht. Sie fungieren auch als inoffizielle Polizeieinheiten, die Menschen überwachen und Kriminelle aufspüren, für Recht und Ordnung sorgen.

Die Yoruba-Legende besagt, dass sich unter dem Kostüm – das wie ein Heuhaufen aussieht – keine Menschen befinden, nur Geister der Nacht.

Heute kann man das Spektakel ganz einfach buchen. Das machen nicht nur die Touristen so, sondern auch Einheimische zu besonderen Gelegenheiten. Sofort kamen Kinder dazu, und näherten sich mal mutiger, und mal weniger mutig den wild tanzenden Geschöpfen. Ich habe es genossen, weil das eben keine reine Touristen-Attraktion ist, und die Bewohner daran teilhaben konnten.

Zangbeto - Voodoo und Machos
Zangbeto – Voodoo und Machos

Hier findet ihr noch einen interessanten Bericht dazu: Benin. Dancing with the spirits


So viel Action macht ganz schön hungrig. Wir sind mit Edith zum Kochen verabredet. Und hätten vorher noch etwas gegessen wenn wir gewusst hätten, wie lange so etwas dauern kann … Auf zum Markt!

Yams und allerlei andere Sachen
Yams und allerlei andere Sachen

Kochen mit der wunderbaren Edith

Edith kocht mit Leib und Seele
Edith kocht mit Leib und Seele

Mal so richtig afrikanisch kochen, auf dem Markt nicht nur schauen sondern wirklich etwas kaufen, das war unser Plan. Helfen konnte uns Edith, wir waren sozusagen die „Produkttester“. Und buchen kann man das tatsächlich immer noch, wie ich eben zufällig gesehen habe: Cuisiner à l’Africaine.

Eine kleine Herausforderung war, dass ich ja Vegetarierin bin. Entsprechend seht ihr unten meinen vegetarischen Teller. Hieß, ich habe einfach alles weggelassen was Fleisch oder Fisch war, und ignoriert dass die Sauce traditionell mit zerriebenen Crevetten zubereitet wird. Bei der Zubereitung inklusive Schlachtung habe ich aber komischerweise ganz genau hingesehen, weil ich neugierig war.

Allerdings tat das flüchtende Huhn mir leid, das sich auf dem Markt dachte es hätte andere Pläne als im Topf zu landen. Ein bisschen erinnert das an die Stadtmusikanten. In diesem Fall wurde es von einem kleinen Jungen aber wieder eingefangen, und konnte dem Schicksal nicht entkommen.

Ab mit den Federn
Ab mit den Federn

Gekocht wurde im und vor dem Haus von Edith. Persönlicher geht es kaum. Dabei wurde erzählt und viel gelacht. Ein bisschen durften wir auch helfen, aber wir waren glaube ich zu langsam. Als die Yamswurzel gestampft wurde, war es bereits dunkel.


Zur Küche in Benin habe ich einen schönen Bericht gefunden: Schlemmerweltreise – Benin.

Spezialitäten aus Benin
Spezialitäten aus Benin

„Pâte rouge“ gab es, „Igname Pilé“ (Brei aus gekochter und gestampfter Yamswurzel) mit
„Sauce d’arachide“ (eine würzige Sauce mit Tomaten und Erdnüssen) und mehr. Keine optische Schönheit, aber sehr lecker. Der Yams-Klops stopft immer ordentlich den Magen. Ich kenne ihn als „Yams Pilé“, am besten soll der in Natitingou schmecken. „Aloko“, frittierte Kochbanane, gab es auch noch; yummy.

Demnächst folgt hier vielleicht noch mal noch ein ungefähres Rezept, denn man kann das auch selbst machen, mit dem Kartoffelstampfer. Oder ihr geht zu Mommie’s in die Bremer Neustadt.

Die Zeremonie beginnt
Die Zeremonie beginnt

Seltene faszinierende Zeremonie

Einmal in etwa 30 Jahren gibt es eine ganz wichtige Zeremonie names Gandaxi. Eigentlich sind es mehrere zusammengehörige Zeremonien, die sich über Wochen erstrecken. Das ist so selten, dass man sich immer mal beratschlagen muss, wie es noch weitergeht. Meine Zwillingsschwester arbeitete dort und wollte beruflich Fotos machen.

In der hierarchischen partriarchalischen Gesellschaft gehörte sie zu jenen, die sich vor den wichtigen Männern nicht verbeugen oder vor dem König knien musste. Das wird allgemein von Fremden nicht verlangt, die solche Gesten aus ihrer eigenen Kultur nicht kennen. Den König habe ich übrigens nicht gesehen. Die Foto-Erlaubnis besorgt man sich nicht bei den Personen, die abgebildet werden, sondern bei einem Würdenträger; die Bürger*innen müssen sich dem Foto-Schicksal ergeben. In diesem Fall war das eine Person im „court royale du vodun“. Wir beide wurden durch Gassen und Hinterhöfe geführt, dann wurden wir von Frauen unmissverständlich angewiesen uns auf den Boden zu knien. Das geht für mich eigentlich gar nicht, aber ich war Gast einer fremden Kultur, meine Schwester wollte ein Ziel erreichen und weiter in der Gesellschaft akzeptiert werden: Ich schmiss mich also in den Sand. Der Würdenträger grinste leicht. Ein Hahn krähte; äh, nein, es war das Handy seines Sekretärs oder so. Ich saß da, wusste nicht wie ich mich verhalten sollte und verstand kein Wort. Also einfach Klappe halten und möglichst freundlich dreinschauen. Eine sehr skurrile Situation. Glücklicherweise gab es die Foto-Freigabe, und wir wurden zur Straße zurück begleitet. Alleine hätten wir aus dem Labyrinth nicht mehr herausgefunden.

Die Bedeutung der Zeremonie kann ich euch leider nicht mehr erklären. Es waren so viele Infos, noch mehr Eindrücke, alles war verwirrend. Und ich will den Artikel endlich fertigstellen. Wenn möglich recherchiere ich das noch einmal.

Zwischenzeitlich ging es für mich alleine zurück nach Hause, ich wollte zwischen zwei Zeremonien eine Pause einlegen. Als ich es endlich schaffte mit einem Zémidjan (kurz Zém) zum großen Platz der zweiten Zeremonie zu kommen musste ich mich beeilen: Der Fahrer des Motorrad-Taxis meinte auf einmal mehr als vereinbart zu bekommen. Ich ging also gehetzt fast über den Platz, sah aber glücklicherweise die aufgeregten Handbewegungen meiner Schwester. Ich kapierte gerade noch, dass ich besser drumherum laufe, und nicht quer über den leeren großen sandigen Platz, von dem ich erfuhr, dass er heilig war. Oje, über einen heiligen Platz trampeln, das hätte bestimmt die Voodoo-Priesterinnen auf den Plan gerufen. Ich spüre gerade so ein Pieksen in der Seite … Ach quatsch, das ging ja noch gut.

Seltene Zeremonie in Abomey
Seltene Zeremonie in Abomey

Die Zeit der Tänzerinnen und Tieropfer war gekommen. Eigentlich müsste ich mich jetzt sehr empören über den Umgang mit den Tieren. Ich finde das auch nicht wirklich gut, aber es wäre ganz schön arrogant, diese uralten Bräuche zu verurteilen. Wer bei uns Fleisch aus Massentierhaltung isst, der muss eh ganz ruhig sein. Dann lieber ein seltenes Opfer.

Tanzen und Opfern für die Götter
Tanzen und Opfern für die Götter

Das Beobachten der Szenerie war wirklich super spannend. Ein großes Glück, dass ich dabei sein konnte. Und die Kinder freuten sich auch, mal am Tattoo einer weißen rothaarigen Frau herumzutüdeln. Die hatten ihren Spaß, ganz schön frech.


So laut und quirlig es bei der Zeremonie war, so ruhig war es am nächsten Tag im dichten Wald.

Schnapsbrennerei im Forêt de Hlan
Schnapsbrennerei im Forêt de Hlan

Ausflug in den dichten Sumpfwald Lokoli

In Benin gibt es einige heilige Wälder, beispielsweise bei Ouidah. Dieser Wald, La forêt de Hlan (Lokoli), ist aber nach meiner Kenntnis vor allem sumpfig, und Heimat vieler Tiere, unter anderem Affen. Mit einem Boot lässt er sich prima entdecken. Er ist ein Ort der Ruhe, an dem man auch eine Wald-Schnapsbrennerei findet. Wir durften den veredelten Palmwein kosten. Hm, ablehnen ist wohl unhöflich, also kurz nippen und das Beste hoffen. Es ist gut gegangen, und der Geschmack? Ich bin eben keine Schnapstrinkerin …


Die Erinnerung an den Wald macht mich gerade tiefenentspannt, die Erinnerung an eine Abenteuer-Fahrt steht dazu in krassem Gegensatz:

Ein besonderes Abenteuer war die Fahrt von Cotonou nach Abomey – oder umgekehrt. Wie ich gehört habe ist diese aber inzwischen neu asphaltiert und entsprechend deutlich schneller als damals. Das Schlagloch-Abenteuer könnt ihr nun nicht mehr nachempfinden, der Rücken freut sich umso mehr.

Auf jeden Fall solltet ihr aber Ananas kaufen, denn das sind die besten überhaupt. So lecker, dass mir mal eine zur ITB mitgebracht wurde. Glücklicherweise ohne afrikanische Viecher. Neben den Ananas sind übrigens die gerösteten Cashews genial, fast schon für sich ein Reisegrund. Wer dort ist muss mir bitte eine Gin-Flasche voller Cashews mitbringen, ich bezahle gut.

Die besten Ananas der Welt
Die besten Ananas der Welt

Der abenteuerliche Weg nach Cotonou

Auf dem Weg übertreffen sich die Fahrzeuge mit deren Lasten, gibt es für jede Obst- oder Gemüsesorte ein Dorf (statt zu diversifizieren fokussiert sich jedes Dorf), bieten die Frauen allerlei Waren am Autofenster an. Die Frauen bewundere ich sowieso, sie haben – wie so oft – die Hauptlast zu tragen.


Mehr Eindrücke aus dem Rest des Landes gibt es hoffentlich in absehbarer Zeit. Wo ich war, das seht ihr schon mal unten auf der Karte.

Entspannung
Entspannung unterm Mangobaum

Erst einmal heißt es aber ausruhen. Bevor es auf Safari geht, oder in das quirlige Cotonou. Das übrigens auch ein Kapitän im legendären Hafencasino in Bremen kannte – Thekengeschichten alter Seebären. Dort ist garantiert auch mein alter Fiesta mal gelandet, an einem der größten Gebrauchtwagen-Umschlagplätze der Welt. Ach was, ich schwelge jetzt erst einmal in Erinnerungen, ist ja alles schon einige Jahre her.

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2 Antworten

  1. Birgitta Bahner

    wirklich sehr schön geschrieben und gut recherchiert! Da wir selbst zwei Jahre in Benin gelebt haben, kann ich das beurteilen! Weiter so! Gruss Birgitta

    • schaedelmaedel

      Liebe Birgitta, herzlichen Dank. Das motiviert mich, bald an Teil 2 zu gehen. Benin hat ja noch so viel mehr zu bieten. Viele Grüße, Ingrid

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