Zu Fuß über die Alpen

Zu Fuß über die Alpen

Eingetragen bei: Unterwegs | 3

Fast jeder denkt an Hannibal und seine Elefanten wenn man erzählt, dass man die Alpen überqueren möchte. Zu Fuß. Warum eigentlich, wo es doch mit Bus und Bahn viel bequemer geht? Und für die Strapazen bezahlt man auch noch Geld? In diesem Reisebericht erfahrt ihr, warum es für mich ein wunderbarer Urlaub wurde.

Der Plan entstand zufällig: Eine Bekannte erzählte uns ganz begeistert von ihrer Alpenüberquerung, und im Fernsehen kam eine Sendung „Wunderschön“ über den E5, den Klassiker für Alpenüberquerer. Blühende Bergwiesen, das Panorama schneebedeckter Berge, ein wenig kraxeln – herrlich. Olaf und mich packte es, und es hieß zu entscheiden: Trauen wir es uns zu, alleine zu laufen, ohne all diejenigen die man in einer Gruppe gewinnen kann? Die jede Entspannung verhindern können? Als Unerfahrene in der alpinen Welt? Und möchten wir wirklich in vollen Hütten schlafen, in denen es im Zweifel nur kaltes Wasser und eine Latrine gibt? Wie fit sind wir überhaupt? Die Schilderungen unserer Bekannten überzeugten, und wir wählten den Alleingang mit der Wellness-Variante. Mit Übernachtung in 3-4 Sterne-Hotels und Gepäcktransport. Und auf einem sehr neuen Weg, der weniger anspruchsvoll ist als der E5. Vom Tegernsee über den Achensee und das Zillertal nach Sterzing in Italien. Das Abenteuer konnte beginnen.

Ab sofort wurde auf dem Stepper in der Muckibude der Gebirgslauf eingestellt, das musste als Training reichen. Ein wenig Ausrüstung musste noch angeschafft werden – die Entscheidung für einen Stock erwies sich als extrem hilfreich. Mit den Reiseunterlagen bekamen wir die Karte des Kompass-Verlags. Mit der kann man natürlich auch einfach so die Strecke ablaufen und vorab Hotels buchen, das wird deutlich günstiger sein. Uns halfen die Zusatzinformationen des Veranstalters aber sehr, bei der ersten Tour dieser Art. Man musste sich um nichts kümmern, außer von A nach B zu kommen. Da kann man einmal richtig abschalten.

Mit dem Zug ging es Richtung München, hierüber berichte ich am Schluss des Artikels. Ganz unten findet ihr übrigens auch die Karte mit der Route. Von München brachte uns die Bahn nach Gmund. In der Tourist-Info nahm man unsere Koffer entgegen, und wir liefen mit unseren Tages-Rücksäcken einfach mal los Richtung Wasser. Der Tegernsee empfing uns mit herrlichem Wetter.

 

Tegernsee in Gmund
Tegernsee in Gmund

Etappe 1: Von Gmund am Tegernsee nach Wildbad Kreuth

Ab hier ist der Wanderweg durchgängig ausgeschildert, in der Regel mit einem „ü“ als Zeichen. Die Karte und die Zusatzinfos brauchte man also nur in kniffligen Situationen, meistens ging es prima ohne. Die Startetappe verlief immer nahe oder am Tegernsee entlang, über den Ort Tegernsee nach Rottach. Das mit dem herrlichen Wetter, das blieb leider nicht durchgängig so, wie ihr seht. Aber als Nordlicht ist man ja einiges gewöhnt.

Das Abenteuer beginnt am Tegernsee
Das Abenteuer beginnt am Tegernsee

In der Regel unterschieden sich der erste und der zweite Teil einer Etappe sehr. Das war auch hier so. Rund um Kreuth folgten wir dem Erlebnisweg an der Weißach, der immer geradeaus geht und viele Stationen für Kinder bietet. Zum Spielen, zur Naturbeobachtung und mehr. Auch ich musste da mal das Schaukel-Indianerboot ausprobieren, erspare euch aber meinen Ausflug in die Kindheit. Es begleiteten und stets die Weißach, die Bäume und der Blick auf den angeknabberten Berg.

Von Kreuth zum Wildbad
Von Kreuth zum Wildbad

Am Ziel in Wildbad Kreuth gingen wir nicht ganz zur bekannten CSU-Tagungsstätte. Mit Verlaub, so viel Nähe musste auch nicht sein. Uns reichte der Blick auf die Dächer.

Etappe 1: Distanz 22 km, Höhenmeter aufwärts 250 und abwärts 180, höchster Punkt 820 m

 

Regen und Nebel
Regen und Nebel

Etappe 2: Von Wildbad Kreuth nach Achenkirch

Am zweiten Tag regnete es – von morgens bis abends, ohne Unterlass. Aus Wegen wurden Bäche, und ich gewann die Erkenntnis dass meine 15 Jahre alten Wanderschuhe nicht mehr dicht waren. Bremer Schietwetter halten die noch aus, aber eine Wanderung mit Wasser von oben und unten war zu viel. Immerhin waren die Sohlen neu, so dass der rutschige Untergrund kein Problem war. Vom angekündigten traumhaften Weitblick bemerkten wir nichts, aber die Stimmung war super schön, die Natur wirkte verwunschen und geheimnisvoll. Wir hatten uns schnell mit der Situation abgefunden und genossen den Tag.

Nasser Weg von Kreuth zur deutsch-österreichischen Grenze
Nasser Weg von Kreuth zur deutsch-österreichischen Grenze

Die Landesgrenze zu Österreich am Bayrisch-Tiroler Grenzkamm ist eher unspektakulär. Der Schlagbaum steht irgendwo an der Seite rum, ein kleines Schild zeugt von der Grenzüberquerung. Die Rast auf dieser Etappe machten wir auf der Blaubergalm. Dort hieß es, nichts was tropft mit hineinnehmen. Also alle nassen Klamotten und Schuhe draußen ausziehen und in der Kälte lassen. Mit nassen Strümpfen in die unbeheizte Almhütte, und schnell mal einen Kakao bestellen. Danach mit den immer noch nassen Strümpfen in die inzwischen ordentlich durchgekühlten Schuhe, und auf die Latrine – ein Traum. Aber halt auch eine Erfahrung und der Beweis dafür, dass wir uns mit der Wellness-Variante richtig entschieden hatten. Weiter ging es auf einem Forstweg stetig bergab, bis zur Gaststätte Marie. Den leckeren Apfelstrudel nach der Tour werde ich wohl nie vergessen. Ein Linienbus brachte uns zum Hotel. Und alle Haartrockner des Hauses liefen heiß, denn es kam ja nach und nach eine ganze durchgenässte Gruppe an. Die schönen Zimmer wurden zu großen Trockenräumen umfunktioniert.

Kalter nasser Weg Richtung 4-Sterne-Luxus
Kalter nasser Weg Richtung 4-Sterne-Luxus

Vielleicht noch ein paar Worte zur Gruppe: Geschätzt 20-25 Personen hatten die Tour gebucht. Die meisten mit, manche ohne Gepäcktransport und Halbpension. Die Unterbringung erfolgte oft in 2-3 unterschiedlichen Hotels. Das bedeutet, dass man einige der Gruppe immer beim Frühstück, in den Hütten oder am Abend traf. Das war sehr schön, aber auf dem Weg selbst haben sich alle in Ruhe gelassen. Jeder wollte in seinem Tempo und in Ruhe die Wanderung genießen, um abends mit einem Bier anzustoßen. Dass immer jemand vor oder hinter einem lief gab dabei aber auch ein Gefühl der Sicherheit.

Die Halbpension bestand abends immer aus einem 5-Gang-Menü, das mehr als reichlich war. Da die Orte sonst nichts hergaben, war es für uns wirklich entspannend, gegen unsere Gewohnheiten einfach nur im Hotel zu bleiben. Und abends einige Fußballspiele der EM zu schauen.

Etappe 2: Distanz 17 km, Höhenmeter aufwärts 850 und abwärts 800, höchster Punkt 1.560 m

 

Morgentau am Achensee
Morgentau am Achensee

Etappe 3: Von Achenkirch nach Maurach am Achensee

Mit ganz wenig Regen ging es am dritten Tag weiter. Immer am Achensee entlang, auf einem schmalen Steig. Rechts eine steile Wand, links ging es oft steil herunter. Wie schon am Vortag war ich nun froh, einen Wanderstock dabei zu haben, mit dem ich mich sehr viel sicherer fühlte. Besonders, wenn kleine Sturzbäche überwunden werden mussten, die sich durch den Regen der letzten Zeit, und in höheren Lagen durch das Tauwetter, gebildet hatten. Wäre es wärmer gewesen, dann hätte man hier perfekt baden können. In diesem klaren Wasser mit der wunderbaren Farbe.

Der schmale Steig am See
Der schmale Steig am See

Der Weg zur Gaisalm war nicht trocken passierbar, jedenfalls nicht mit meinen Schuhen. Also Schuhe aus und aufpassen, dass man nicht in einen Nagel in den Brettern tritt. Es ist immer ratsam, ein schnelltrocknendes Handtuch für solche Fälle dabei zu haben.

Benebelt - Dampflok und Achensee
Benebelt – Dampflok und Achensee

Ab Pertisau und dann Richtung Maurach war der Weg wenig aufregend, dafür aber auch nicht mehr anstrengend. Die Achensee Dampf-Zahnradbahn hätte uns vom Kiosk, an dem wir eine Kaffeepause machten, direkt zum Hotel gefahren. Aber das haben wir nicht kapiert, sonst wären wir eingestiegen und hätten den nicht so spannenden Weg verkürzt. So sind wir brav nach Plan weitergelaufen, bis zum Hotel. Da noch Zeit war marschierten wir später zur Seilbahn, gondelten hoch und genossen den Ausblick auf den Achensee. Bei der Ankunft war alles klar, doch in kürzester Zeit zog sich der Nebel zu, zeitweise konnte man den See nicht einmal erahnen. Das erinnerte uns daran, dass wir nicht zu Unrecht Respekt vor den Bergen haben. Das ist fast wie im Watt – man ist den Launen der Natur ausgeliefert.

Etappe 3: Distanz 13,5 km, Höhenmeter aufwärts 200 und abwärts 200, höchster Punkt 1.000 m (ohne Seilbahn-Ausflug)

 

Kaputte Kühe
Kaputte Kühe

Etappe 4: Von Maurach über Fügen/Spieljoch nach Hochfügen

Am nächsten Tag ging es mit dem Linienbus und der Zillertal-Bahn nach Fügen. Dort war es schon fast eine kleine Wanderung vom Bahnhof hoch zur Seilbahn, die uns zum Gipfel brachte. Wieder einmal war zu sehen, wie der Skibetrieb im Winter die Natur und die Orte verändert. Mehr als die Wege für die Wanderer, die vor allem ab Juli die Gegend bevölkern. Wir waren glücklicherweise vor der Hauptsaison unterwegs.

Hach, wie schön die ganzen Blumen sind, wie der blaue Enzian. Ich hätte glatt einen Bergblumen-Blogartikel separat schreiben können. Stattdessen hieß es nun „Berg Heil“, jedenfalls stand das dort oben. Und es begann durchaus mit einer kleinen Kraxel-Tour, die meine volle Konzentration erforderte. Vor allem, wenn man gleitsichtbrillengeschädigt ist und immer mittig fokussieren muss.

Neben den bekannten gelben Wanderweg-Schildern halfen auch rot-weiße Markierungen dabei zu erkennen, dass man sich überhaupt auf einem offiziellen Weg oder Steig befand. Manchmal war dieser sonst kaum auszumachen.

Mit der Seilbahn zum Tour-Start am Gipfel
Mit der Seilbahn zum Tour-Start am Gipfel

Der Weg war wunderschön und abwechslungsreich, teilweise ging es auch durch kleine Waldstücke. Ich habe gelesen, dass wir Ausblicke auf die umliegende Bergwelt des Zillertals, das Karwendel und das Rofangebirge hatten, bis hin zum Wilden Kaiser. Tja, wo der wohl war? Auch die jahrhundertealten Zirbenbäume habe ich nicht erkannt, aber die wunderbaren Almrosen.

Zur Loas-Hütte für die Rast musste man einen kleinen Umweg laufen, da es nur noch etwa eine Stunde zum Ziel dauerte gönnten wir uns hier mal ein echtes Bier. Herrlich. Und die Kühe, die mag ich ja so. Die größte Gefahr war hier, nicht auf die Hinterlassenschaften zu treten.

Auf dem Weg nach Mayrhofen - mit kleinem Umweg über die Hütte
Auf dem Weg nach Mayrhofen – mit kleinem Umweg über die Hütte

Hier sei vielleicht erwähnt, dass wir in Österreich immer herausragend freundliche Bedienungen trafen. In den Almhütten und auch in den Hotels. Toller Service – passt!

Etappe 4: Distanz 13 km, Höhenmeter aufwärts 450 und abwärts 750, höchster Punkt 2.040 m (zusätzlich Weg zur Hütte)

 

Traumhafte Bergwelt des Zillertal
Traumhafte Bergwelt des Zillertal

Etappe 5: Von Hochfügen über Melchboden nach Mayrhofen

Ach ja, das war wirklich die beeindruckendste Etappe. Das absolute Highlight für mich. Direkt vom Hotel aus ging es auf Wanderschaft. Durch Dörfer und praktisch durch Bauernhöfe, mit Ziegen im Schlepptau und Bächen im Tal – einfach nur schön. Auf dieser Etappe würden wir die meisten Höhenmeter aufwärts gehen, ganze 900. Und immer wieder diese Panoramen. Wir hatten das perfekte Wetter: Dekorative Wolken und blauen Himmel, die frische Höhenluft aber ausreichende Wärme, um mit dem T-Shirt zu laufen. Die Sonnencreme Lichtschutzfaktor 50 reichte da bei meiner hellen Haut kaum. Und eine Kopfbedeckung war unentbehrlich.

Von Hochfügen gehts auf die Alm
Von Hochfügen gehts auf die Alm

Der Besuch der Almhütte, deren Dach ihr oben seht, wurde kurz, denn es zog uns zügig weiter. Der Almwirt erzählte, dass es noch vor 2 Wochen in Teilen viel Eis und Schnee gab, einige Stellen waren für Wanderer nicht passierbar. Und auch hier wurde klar, dass unsere allgemeine Vorsicht in den Bergen richtig war, denn immer wieder überschätzen sich Wanderer, es gibt Tote – wurde berichtet. Heute aber war perfektes Wetter, und er riet uns über den Doppelgipfel zu laufen – der ausgeschilderte Weg verlief ein Stück darunter. Dann über den Kamm weiter. Auf dem Weg dorthin sah man viele Murmeltier-Höhlen, Olaf sah sogar einen Mors direkt vor dem Abtauchen. Hätte man ruhig gewartet, dann wäre bestimmt eines herausgekommen aus dem Bau. Aber wir wollten weiter. Und konnten uns kaum sattsehen an dem Panorama.

Alpen-Panorama - rund um den Gipfel
Alpen-Panorama – rund um den Gipfel

Wenn ihr übrigens auf das obere Panorama klickt, dann seht ihr es größer. Eine Fast-Rundum-Sicht vom ersten Gipfelkreuz.

Eigentlich liebe ich die Höhe nicht, wenn es links und rechts runter geht wird mir ein wenig mulmig. Aber der Mut hat sich gelohnt.

Auf dem Weg nach Mayrhofen über Doppelgipfel und Kämme
Auf dem Weg nach Mayrhofen über Doppelgipfel und Kämme

Überall stapeln Wanderer Steine aufeinander. Ich weiß gar nicht warum. Als Zeichen, dass man da war? Oder einfach nur weils schee ist? Na, das ist es auf jeden Fall! Und wenn man lange über der Baumgrenze gelaufen ist, dann ist die Freude groß ein paar Tannen am Hang zu sehen.

Distanz 11 km, Höhenmeter aufwärts 900 und abwärts 400, höchster Punkt 2.280 m

 

Eine steinige Sache
Eine steinige Sache

Etappe 6: Von Mayrhofen über Schlegeis nach Kematen im Pfitschtal

Auf dieser Etappe sind wir erst mit dem Linienbus zum Schlegeis Speichersee gefahren. Der Bus war voll, und alle liefen gleichzeitig los. Der erste Teil war auch für nicht so Sportliche gut zu wandern, so dass es doch recht voll war. Wieder ein Beweis für die richtige Entscheidung. Als es weiter Richtung Steig ging, da löste sich alles etwas auf, und irgendwann war wieder Ruhe. Einmal tief durchatmen und genießen!

Der österreichische Teil dieser Strecke war sehr steinig. Man hatte eine Ahnung wo früher die Gletscher waren, die das Gestein geschliffen haben. Einige Gletscher konnte man aber immer noch sehen. Schaut selbst, unten auf dem Bild, hinter dem See. Die Natur zeigte sich von herber Schönheit, und der Aufstieg zum Pfitscherjoch war gut zu bewältigen. Eine süd-spanische Wandertruppe hat sich erst einmal eingeseift – das erste Mal Schnee im Gesicht!

Karge steinige Landschaft zwischen Stausee und der österreichisch-italienischen Grenze
Karge steinige Landschaft zwischen Stausee und der österreichisch-italienischen Grenze

Direkt hinter der Hütte, die praktisch auf der österreichisch-italienischen Grenze stand, veränderte sich die Natur. Es wurde grüner, der Weg führte durch Mischwälder hinab zum Talboden. Ideal bei der Hitze, die uns inzwischen leicht zu schaffen machte. Und der Abstieg machte meinen Knien zu schaffen. Für mich gilt tatsächlich: Aufstieg ist angenehmer als Abstieg.

Und dann waren sie da – unendlich viele meiner geliebten Almwiesen!

Schnee, Wald und Wiesen - wir sind in Südtirol
Schnee, Wald und Wiesen – wir sind in Südtirol

Berg- oder Almwiesen sind für mich der Inbegriff von Idylle. Die wunderbaren Blumen, man kann die Insekten beobachten und Schmetterlinge verfolgen. Ich weiß, das ist kitschig, aber ich kann mich daran gar nicht sattsehen. Endlich war es längere Zeit trocken, so dass das Heu überall geerntet wurde. Es war oft noch steiler als auf dem unteren Bild, eine Arbeit die nur von Hand mit der Sense erledigt werden kann. Und es waren über 30 Grad. Der Duft von frischem Heu weckte uns sogar im nächsten Hotel. Umso schöner, wenn man nicht helfen muss, sondern weiter wandern kann.

Wilde Wiesen
Wilde Wiesen
Mühsame Heuernte an den Hängen
Mühsame Heuernte an den Hängen

Je südlicher wir kamen, desto mehr Kreuze gab es, eine sehr gläubige Gegend. In Südtirol ist der Tourismus zudem noch nicht so entwickelt wie in Tirol, in Österreich. Das war durchaus sehr angenehm. Das wirkliche Leben war viel näher.

Südtirol - blühendes Italien vor St. Jakob
Südtirol – blühendes Italien vor St. Jakob

Einige aus der Gruppe nächtigten direkt in St. Jakob, wir liefen ein paar Kilometer weiter nach Kematen. Das war auf der Asphaltstraße und in der Hitze kein Spaß, aber am nächsten Tag war man deutlich schneller unterwegs. Rosi hatte es übrigens schwerer auf dem Asphalt. Rosi war der Mini-Hund, den man nie hörte, mit einem Faible fürs Kraxeln. Apropos Rosi: Im Gegensatz zu Touren auf dem E5 kann man hier auch mit dem Hund wandern und nächtigen. Urlaub mit dem Hund in Österreich heißt aber auch, unbedingt einen Maulkorb dabei zu haben, wenn man öffentliche Verkehrsmittel nutzen möchte. Egal, wie klein und niedlich das Tier ist.

Distanz 18 km, Höhenmeter aufwärts 500 und abwärts 850, höchster Punkt 2.275 m

 

Lichte Wälder
Lichte Wälder

Etappe 7: Von Kematen im Pfitschtal nach Sterzing

Die letzte Etappe war, wie schon die erste, schön, aber nicht spektakulär. Es gab zu viele Strecken auf Straßen. Aber wir hatten den Vergleich zur traumhaften Bergwelt des Zillertals, da muss man auch erstmal gegenan kommen. Es ging durch einen Steinbruch, durch lichte Wälder und Ortschaften, was durchaus seinen Reiz hatte. Das Ziel rückte immer näher: das gotische Zentrum von Sterzing.

Auf dem Weg von St. Jakob nach Sterzing
Auf dem Weg von St. Jakob nach Sterzing

Geschafft! Der Turm war unser Ziel, oder auch das blaue Haus, das war nämlich unser Hotel Lamm. Und auf dem Marktplatz gab es ein Sieger-Bier, nach dem italienischen Sieger-Eis. Stolz wie Bolle.

Ankunft in Sterzing - das Ziel ist erreicht!
Ankunft in Sterzing – das Ziel ist erreicht!

Und was besonders schön war an Sterzing (den Ort kennt man in einer Stunde, maximal): Nach der ganzen Schlagermusik-Ladung in den Hotels fanden wir hier mit Alex’s Pub eine Kneipe, in der tatsächlich Rock bis Metal gespielt wurde. Auch Stücke, die man nicht ständig hört. Der Wirt wusste gar nicht, wie glücklich er uns damit gemacht hat.

Distanz 15 km, Höhenmeter aufwärts 150 und abwärts 650 höchster Punkt 1.460 m

 

München – Stadtgetümmel vor und nach der Wanderung

Es bot sich natürlich an, vorher und nachher noch ein bis zwei Übernachtungen in München heranzuhängen. Auf dem Rückweg war es schon komisch, als und ein Bus von Sterzing erst einmal wieder zurück zum Bahnhof nach Gmund brachte: So schnell konnte das gehen.

Die Regenbilder habe ich ignoriert, und ich tue so als hätten wir in München durchgängig prächtiges Wetter gehabt. Na, wir können uns nicht beklagen. Als es schön wurde sind wir entgegen der Planungen natürlich doch wieder in den englischen Garten gegangen. Abends hat uns vor allem das Tap House imponiert, siehe Bild unten links. Das war nicht lange so leer, denn wir waren zu früh da. Um Punkt 18 Uhr standen wir dann vor der Tür, nachdem wir in der Gegen noch fast eine Stunde lang Zeit totgeschlagen hatten. Im Regen. Aber dann wurde es spannend: 40 Sorten Bier vom Fass, 250 aus der Flasche, und leckeres Essen. Was will man mehr?

Im Giesinger gab es wirklich super Bier, die Gasträume – und vor allem den Tresen – könnte man aber vom Gemütlichkeitsfaktor noch ein wenig optimieren. Zu empfehlen ist unter anderem das Stout. Und im Raw, da sind Musik und Atmosphäre die Highlights.

München - historische Bauten und BIer
München – historische Bauten und BIer

Aber das wirkliche Highlight in München war für uns beide das Deutsche Museum. Stunden über Stunden könnte man dort verbringen. Aus der Zelle gehts ans aufgeschnittene U-Boot, Bremen ist unter anderem mit dem Rettungsschiff der DGzRS und einem Ausstellungsbereich von Marum vertreten. Ach ja, und alte Schiffe und Flugzeuge, eine alte Apotheke, dann ein Atomreaktor, die Geschichte von Computern und Lego-Technik …

Das Deutsche Museum - ein Highlight
Das Deutsche Museum – ein Highlight

Die Route

Damit ihr ganz grob seht, wo die Etappen lang führten, habe ich diese in eine Karte eingefügt. Aber wirklich nur sehr grob.

Insgesamt sind wir 109,5 km nach Plan gewandert, wir liefen 3.300 Meter hoch und 3.830 Meter runter. Der höchste Punkt lag wohl höher als 2.280 Meter, da wir ja noch zum Doppel-Gipfel gekraxelt sind.

Eine ganz echte Alpenüberquerung war es für mich dennoch nicht, weil doch einige Strecken mit anderen Verkehrsmitteln überbrückt wurden. Ihr seht diese im Plan gelb. Ich hätte aber auch nicht an den Straßen laufen wollen, oder noch einige Tage länger zum Wandern gehabt. Und ist das überhaupt wichtig? Ich denke nicht, denn wichtig war für mich, dass ich unterwegs überhaupt nichts gedacht, und absolut abgeschaltet habe. Der Alltag war gaaanz weit weg.


3 Antworten

  1. Ute Rombach

    Vielen Dank für diesen wunderbaren Bericht, er hilft mir weiter, zu planen und zu überlegen, ob ich (65 w ) diese Tour im Alleingang mit meinem Hund schaffe. Oder ob ich doch besser in der Gruppe gehe.
    Liebe Grüße – Ute

    • Liebe Ute,

      es freut mich sehr, dass du meinen Artikel gefunden hast.

      Wenn man die Tour alleine geht, dann sollte man vorneweg laufen. Wenn einem doch etwas passiert, dann kommt bald sicher jemand vorbei, der hilft. Auf die Notrufnummer, die es meine ich gibt, möchte man sich ja nicht verlassen. Das Paar, das einen kleinen Hund dabei hatte, hat ihn teilweise getragen. Ich weiß nicht, wie groß dein Hund ist, und wie viel er mitmacht. Auf jeden Fall ist ein Maulkorb Pflicht. Und das Paar meinte, es wäre nicht so einfach gewesen eine Tour zu finden, bei der Hunde erlaubt sind.

      Ich selbst wäre jedenfalls als alpine Anfängerin nicht alleine gewandert. Dazu habe ich zu viel Respekt vor der unbekannten Natur. Und vor meinem mangelnden Geschick – eine kleine Verstauchung ist immer drin.

      Viele Grüße

      Ingrid

  2. Liebe Ingrid,
    genauso habe ich diese Tour empfunden! Dein Bericht ist wunderbar und bringt mir meine perönlichen Erlebnisse wieder ganz frisch ins Gedächnis.
    Es ist für jeden Anfänger eine wunderbare Möglichkeit die Alpen zu entdecken.
    Gruß, Martina

Hinterlasse einen Kommentar